
Iran: Verhaftungswelle gegen Frauen in mehreren Städten hält an
Die iranischen Behörden verschärfen ihre Repressionen gegen kritische Stimmen weiterhin. Nach den landesweiten Protesten haben Sicherheitsorgane ihre Maßnahmen insbesondere gegen Frauen, Lehrkräfte, Künstlerinnen und politische Aktivistinnen ausgeweitet. Willkürliche Festnahmen, langandauernde Inhaftierungen ohne Anklage, schwere Haftstrafen sowie die Verweigerung grundlegender Rechte gehören weiterhin zum Alltag vieler Betroffener.
Zahlreiche Gefangene berichten über den Entzug medizinischer Versorgung, Einschränkungen des Kontakts zu ihren Familien und die Missachtung rechtsstaatlicher Verfahrensgarantien.
Familienbesuche als Druckmittel gegen politische Gefangene
Die politische Gefangene Souri Babaei Chegini verbüßt derzeit eine dreijährige Haftstrafe im Gefängnis von Qazvin. Neben der Haftstrafe wurden gegen sie weitere strafrechtliche Auflagen verhängt.
Sie wurde am 5. Januar 2026 während der landesweiten Proteste festgenommen. Nach Angaben von Menschenrechtsquellen werden ihr seit mehr als 140 Tagen Besuche ihrer Angehörigen verweigert – eine Praxis, die von Menschenrechtsorganisationen regelmäßig als Mittel psychologischen Drucks kritisiert wird.
Künstlerpaar seit über zwei Monaten ohne Anklage in Haft
Die Malerin Soheila Hosseini und ihr Ehemann, der Hochschuldozent Ahmad Rahimi, befinden sich 75 Tage nach ihrer Festnahme weiterhin ohne bekannte Anklage im Vakilabad-Gefängnis in Mashhad.
Die Familie erhielt bislang keine Informationen über die rechtliche Grundlage ihrer Inhaftierung. Berichten zufolge könnten ihre humanitären Hilfsleistungen für während der Proteste verletzte Personen sowie Vorwürfe bezüglich der Nutzung von Starlink-Internetdiensten Anlass für die Festnahme gewesen sein.
Verweigerung lebensnotwendiger medizinischer Behandlung
Die christliche Konvertitin Mahshar (Mohtaram) Parandin, die im Evin-Gefängnis inhaftiert ist, benötigt dringend eine Herzuntersuchung sowie operative Eingriffe aufgrund mehrerer Tumore.
Obwohl sie kürzlich in ein Krankenhaus gebracht wurde, erfolgte lediglich eine diagnostische Untersuchung. Anschließend wurde sie ohne die erforderliche Behandlung oder die verordneten Medikamente zurück ins Gefängnis gebracht. Zusätzlich bestehen Berichte über eine weitere gesundheitlich bedenkliche Gewebeveränderung im Hinterkopfbereich.
Menschenrechtsgruppen warnen seit Jahren vor der systematischen Verweigerung medizinischer Versorgung politischer Gefangener im Iran.
Haft wegen Meinungsäußerung
Die Dichterin, Moderatorin und Frauenrechtsaktivistin Farzaneh Farahbod sowie ihr Ehemann Alireza Shayegan werden seit dem 14. April 2026 ohne klaren rechtlichen Status im Gefängnis von Torbat-e Heydarieh festgehalten.
Nach vorliegenden Informationen steht ihre Festnahme im Zusammenhang mit öffentlichen Äußerungen zum Tod von Ali Khamenei sowie einem Aufruf zu einer Schweigeminute für die Opfer der Proteste vom Januar 2026.
Mehr als 32 Jahre Gefängnis für Demonstrationsteilnehmerin
Die Aktivistin Maryam Babajani, die während der Proteste in Izeh festgenommen wurde, ist von der Ersten Kammer des Revolutionsgerichts Ahvaz zu insgesamt 32 Jahren, sechs Monaten und zwei Tagen Freiheitsstrafe verurteilt worden.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Langem die Verhängung außergewöhnlich hoher Haftstrafen gegen Protestteilnehmerinnen und Protestteilnehmer.
Schwestern im Evin-Gefängnis inhaftiert
Die politischen Gefangenen Leila Afarin und Maryam Afarin befinden sich derzeit in der Frauenabteilung des Evin-Gefängnisses.
Besonders besorgniserregend ist der Gesundheitszustand von Leila Afarin, die an einem bösartigen Hirntumor leidet und nach vorliegenden Berichten keinen ausreichenden Zugang zu medizinischer Behandlung erhält.
Lehrerin und Künstlerin nach Gerichtsverhandlung festgenommen
Die Lehrerin, Autorin und Künstlerin Zahra Arefimehr wurde am 31. Mai 2026 unmittelbar nach einer Gerichtsverhandlung am Revolutionsgericht von Sabzevar festgenommen.
Den Vorwürfen zufolge soll sie Inhalte und Bilder von Personen veröffentlicht haben, die im Zusammenhang mit den Ereignissen des Jahres 2026 ums Leben kamen.
Berufungsgericht bestätigt Urteil gegen Bahá’í-Angehörige
Ein Berufungsgericht in der Provinz Isfahan bestätigte die gegen Roya Ostovar verhängte Haftstrafe. Die Angehörige der Bahá’í-Gemeinde wurde wegen religiöser Bildungs- und Informationsaktivitäten zu insgesamt sechs Jahren Haft sowie weiteren Sanktionen verurteilt.
Zusätzlich wurde ihr für 15 Jahre die Ausübung verschiedener sozialer Rechte untersagt.
Filmemacherin in Teheran festgenommen
Die Regisseurin und Filmemacherin Samira Norouz Naseri wurde am 1. Juni 2026 in Teheran festgenommen.
Nach Berichten von Menschenrechtsquellen drangen Sicherheitskräfte ohne Vorlage eines richterlichen Beschlusses in ihre Wohnung ein. Während der Hausdurchsuchung wurden zahlreiche persönliche Gegenstände sowie elektronische Geräte, darunter Laptop und Mobiltelefon, beschlagnahmt.
Ihr Aufenthaltsort ist bislang nicht offiziell bekannt gegeben worden.
Anhaltende Besorgnis über die Menschenrechtslage
Die jüngsten Fälle verdeutlichen die fortdauernde Unterdrückung von Frauen, Kulturschaffenden, Lehrkräften und politischen Aktivistinnen im Iran. Internationale Menschenrechtsorganisationen fordern die iranischen Behörden weiterhin auf, willkürliche Inhaftierungen zu beenden, faire Gerichtsverfahren zu gewährleisten und den Zugang zu medizinischer Versorgung sowie den Kontakt zu Familienangehörigen sicherzustellen.



