Kampagne „Nein zu Hinrichtungen am Dienstag“ in 56 Gefängnissen – Wachsende Sorge um die Lage weiblicher Gefangener

Kampagne „Nein zu Hinrichtungen am Dienstag“ in 56 Gefängnissen – Wachsende Sorge um die Lage weiblicher Gefangener

Die Kampagne „Nein zu Hinrichtungen am Dienstag“ hat die Fortsetzung eines koordinierten Hungerstreiks von Gefangenen in 56 Gefängnissen im Iran für die 113. aufeinanderfolgende Woche bekannt gegeben. Die Protestbewegung, die als Reaktion auf die zunehmende Anwendung der Todesstrafe ins Leben gerufen wurde, hat sich zu einem bedeutenden Symbol zivilen Widerstands innerhalb des Gefängnissystems des Landes entwickelt.

Nach Angaben der Kampagne traten die beteiligten Gefangenen am Dienstag, dem 24. März 2026, erneut in den Hungerstreik, um gegen die steigende Zahl von Hinrichtungen zu protestieren. Die Organisatoren betonten, dass die Proteste selbst unter Bedingungen von Krieg und Luftangriffen fortgesetzt werden. Trotz zunehmenden Drucks halten die Gefangenen an ihren Aktionen fest. Ziel der Kampagne ist es, die internationale Öffentlichkeit und Institutionen auf die Zunahme von Hinrichtungen sowie auf die Situation von Gefangenen aufmerksam zu machen, die unmittelbar von der Hinrichtung bedroht sind.

In einer Erklärung verwies die Kampagne auf Zahlen aus dem vergangenen Jahr und erklärte, dass landesweit tausende Gefangene hingerichtet worden seien. Zudem wurde auf die Hinrichtung mehrerer während der landesweiten Proteste im Dezember festgenommener Personen sowie eines weiteren Gefangenen in Karadsch hingewiesen.

Nach Einschätzung der Kampagne spiegeln diese Entwicklungen eine Verschärfung der Repression und eine verstärkte Nutzung der Todesstrafe als Instrument staatlicher Kontrolle wider.

Stimmen der Gefangenen trotz Informationsblockade

Die Kampagne hob hervor, dass die Hungerstreiks unter Bedingungen stattfinden, in denen viele Gefangene in unsicheren Situationen festgehalten werden und ihre Kommunikation mit der Außenwelt stark eingeschränkt ist. Internetabschaltungen und strenge Beschränkungen der Informationsverbreitung hätten die Sichtbarkeit der Stimmen der Gefangenen erheblich reduziert. In diesem Zusammenhang versteht sich die Kampagne als Plattform, um die Lage der Inhaftierten sichtbar zu machen und internationale Menschenrechtsorganisationen darauf aufmerksam zu machen.

Weibliche Gefangene in Evin und Qarchak setzen Hungerstreik fort

Weibliche Gefangene im Evin-Gefängnis sowie im Qarchak-Gefängnis setzen ihren Hungerstreik trotz schwerer und sich verschlechternder Bedingungen fort.

Berichte weisen auf eine sich zuspitzende Krise unter weiblichen Inhaftierten hin, insbesondere in Evin und Qarchak. Das Leben der Gefangenen – darunter mehr als 200 Frauen im Evin-Gefängnis – soll ernsthaft gefährdet sein. Fehlende Rechenschaftspflicht der Behörden, die Einschränkung grundlegender Versorgungsleistungen sowie das Ausbleiben von Maßnahmen wie Verlegungen oder Freilassungen verstärken die Sorge vor einer humanitären Krise.

Im Evin-Gefängnis zählen die Unterbrechung der Warmwasserversorgung sowie erhebliche Verschlechterungen in den Bereichen Hygiene, medizinische Versorgung und Zugang zu Medikamenten zu den dringendsten Problemen. Diese Bedingungen bestehen fort, während viele Gefangene bereits durch Überbelegung und unzureichende Haftbedingungen geschwächt sind und unter verschiedenen Krankheiten leiden.

Die Situation im Qarchak-Gefängnis in Waramin wird als noch kritischer beschrieben. Dort werden derzeit etwa 80 Frauen festgehalten, die während der Proteste im Dezember verhaftet wurden. Die Einrichtung steht seit längerem in der Kritik wegen extremer Überbelegung sowie mangelnder grundlegender Infrastruktur und Versorgung.

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