Medizinisches Personal weiterhin wegen Behandlung von Verletzten inhaftiert
Im Zuge der anhaltenden Repressionsmaßnahmen nach den landesweiten Protesten im Iran mehren sich Berichte über die Festnahme zahlreicher Ärztinnen, Ärzte und weiterer Angehöriger des Gesundheitswesens, weil sie verletzte Demonstrierende medizinisch versorgt haben.

Shaida Riahi Chelvani, Ärztin am Seyed al-Shohada (Omid) Krankenhaus in Isfahan, wurde am Freitag, dem 9. Januar 2026, von Sicherheitskräften in ihrem Wohnhaus festgenommen.
Am 11. Januar durchsuchten Sicherheitskräfte zudem die Wohnung von Dr. Sarvnaz Amiri in Teheran und brachten die 30-jährige Ärztin an einen unbekannten Ort.
In einem weiteren Fall wurde Fatemeh Afshari, OP-Technikerin am Atiyeh-Krankenhaus in Teheran und Mutter eines achtjährigen Kindes, vor rund zwei Wochen verhaftet. Berichten zufolge wird ihr der Kontakt zu ihrer Familie verweigert, ebenso der Zugang zu grundlegenden Informationen über ihr Verfahren.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lagen keine offiziellen Angaben zu den Anklagepunkten, den Haftorten oder dem rechtlichen Status dieser drei Personen vor.
Auch die 37-jährige Notfallmedizinerin Golnar Naraghi befindet sich seit dem 14. Januar 2026 in Teheran in Haft. Nach zwei Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt wurde sie in das Qarchak-Gefängnis in Varamin verlegt. Transparente Informationen über ihren Gesundheitszustand, die Haftbedingungen oder den Stand etwaiger Gerichtsverfahren wurden bislang nicht veröffentlicht.
Offizielle Bestätigungen von Festnahmen im Gesundheitssektor
Vertreter staatlicher Institutionen haben inzwischen öffentlich eingeräumt, dass Ärzte und medizinisches Personal festgenommen wurden.
In einem Interview mit der staatlichen Tageszeitung Etemad am 8. Februar 2026 erklärte der Vorsitzende des Iranischen Ärzterats, dass trotz der Freilassung einiger Betroffener weiterhin 17 Mitglieder der medizinischen Gemeinschaft – darunter Ärztinnen und Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Physiotherapeuten – in Haft seien.
Nach Angaben von Mohammad Raiszadeh lagen erste Schätzungen bei über 50 festgenommenen medizinischen Fachkräften. Der Ärzterat habe schließlich 33 Fälle weiterverfolgt, von denen 17 Personen weiterhin inhaftiert seien. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da Pflegekräfte und weiteres paramedizinisches Personal nicht unter die Zuständigkeit des Rates fallen.
Mohammad Sharifi-Moqaddam, Generalsekretär des iranischen Pflegeverbands, erklärte zudem, dass Pflegekräfte in Isfahan, Teheran und mehreren anderen Städten festgenommen worden seien. Die Festnahmen hätten sich nicht nur auf die ersten Protesttage beschränkt, sondern seien auch danach fortgesetzt worden. Er betonte, medizinisches Personal sei sowohl rechtlich als auch aus humanitären Gründen verpflichtet, Verletzten Hilfe zu leisten – unabhängig davon, ob dies innerhalb oder außerhalb eines Krankenhauses geschehe.
Die Verhaftungen erfolgten im Anschluss an die gewaltsame Niederschlagung der Proteste im Januar 2026 und werden weithin als Teil einer gezielten Strategie gewertet, die medizinische Versorgung verletzter Demonstrierender zu behindern und das Ausmaß der angewandten Gewalt zu verschleiern.



