WHO und Weltärztebund verurteilen Angriffe auf das Gesundheitswesen im Iran

Die Gewalt der iranischen Sicherheitskräfte richtet sich Berichten zufolge auch gegen Krankenhäuser, Ärzte und verletzte Patienten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Weltärztebund (WMA) sprechen von schweren Verstößen gegen medizinische Ethik und grundlegende Menschenrechte.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus zeigte sich besorgt über Meldungen, wonach Gesundheitspersonal angegriffen und Ärzte verhaftet wurden, während sie verletzte Demonstrierende behandelten. Die WHO fordert die sofortige Freilassung aller inhaftierten medizinischen Fachkräfte und betont, dass medizinisches Personal niemals Einschüchterung oder Repressalien ausgesetzt sein dürfe.

Bestätigt wurden zudem Berichte, dass Verletzte aus Krankenhäusern abgeführt wurden. So kam es Anfang Januar im Khomeini-Krankenhaus in Ilam zu gewaltsamen Übergriffen; die Versorgung der Patienten wurde zeitweise unterbrochen. Mehrere Einrichtungen wurden beschädigt, über 50 Rettungskräfte verletzt, und auch im Sina-Krankenhaus in Teheran soll Tränengas eingesetzt worden sein.

Der Weltärztebund forderte in einem offenen Brief ein Ende der Gewalt und die Freilassung aller festgenommenen Mediziner. Ärzte müssten ihre Arbeit ohne Angst vor Verfolgung ausüben können. Berichte aus verschiedenen Provinzen belegen zudem, dass Klinikpersonal angewiesen wurde, Patienten mit Schussverletzungen zu melden – andernfalls drohten strafrechtliche Konsequenzen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Fall des Chirurgen Dr. Alireza Golchini, der nach Medienangaben wegen „Krieg gegen Gott“ angeklagt wurde – ein Vorwurf, der mit der Todesstrafe verbunden sein kann. Er wurde am 10. Januar in Ghazvin gewaltsam festgenommen, nachdem er öffentlich seine Bereitschaft erklärt hatte, verletzte Demonstranten medizinisch zu versorgen.

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